Bewusst Trinken! – ein Schulprojekt 

2. November 2020

Eine adäquate Flüssigkeitsmenge und die „richtige“ Getränkewahl sind oftmals eine Herausforderung für Schülerinnen, Pädagoginnen und Eltern.

Wobei ein Flüssigkeitsmangel eine deutliche Abnahme der Leistungsfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit verursachen kann. Der häufige Konsum von Getränken mit hohem Zuckergehalt verhindert andererseits, dass sich Kinder an weniger Süße und somit an einen gesünderen Lebensstil gewöhnen können.

„Bewusst Trinken!“ – so nennt sich ein Pilotprojekt, das im Schuljahr 2019/2020 an zwei öffentlichen Mittelschulen in der Steiermark gestartet wurde. Das Projekt wurde gemeinsam von drei Institutionen erarbeitet und umgesetzt: SIPCAN, ein vorsorgemedizinisches Institut das seit 2005 schulische Programme zur Gesundheitsförderung mit sowohl verhaltens- als auch verhältnispräventiven Ansätzen umsetzt. Dem Institut Diätologie der FH JOANNEUM, bei dem das Labor für Sensorik & Gesundheit (Health Perception Lab: https://www.fh-joanneum.at/labor/health-perception-lab-hpl/) in Graz angesiedelt ist. Sowie dem Sozialmedizinischen Institut der Medizinischen Universität Wien. Beim Schulprojekt „Bewusst Trinken!“ findet hier eine vernetzte Zusammenarbeit im Bereich Ernährung und Sensorik statt.

Fördergeber sind der Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) und das Land Steiermark.

Ziel ist die Verbesserung des Trinkverhaltens bei Schülerinnen.

Durch das regelmäßige Trinken von sehr süßen Getränken verändern sich die Geschmacksvorlieben und die Geschmacksschwelle. Wer häufig sehr süß trinkt, benötigt eine höhere Zuckerkonzentration in der Ernährung und präferiert Süßes. Daher wurde im Zuge des Projekts die Geschmackswahrnehmung von Schülerinnen geschult um die Präferenz für süße Getränke zu verändern, damit zuckerreduzierte Getränke eine höhere Akzeptanz erfahren.

Verfolgt wird dabei ein multidisziplinärer Ansatz, um alle Beteiligten in der Schule sowie die Eltern miteinzubeziehen. Vor Projektbeginn wurde an den Schulen, in Zusammenarbeit mit den projektverantwortlichen Pädagoginnen, eine Bedarfsanalyse durchgeführt. Die Schülerinnen konnten ihre Einschätzung und Wahrnehmung zum Trinkverhalten sowie Getränkepräferenzen mitteilen, über das Getränkeangebot in der Schule und ihrem Umfeld berichten und Ideen zum Projekt beisteuern.

Einem Peer-Education-Ansatz folgend wurden zehn ausgewählte Peers der 8. Schulstufe vom Projektteam geschult – mit dem Ziel, ihr Wissen wiederum an Schülerinnen der 6. Schulstufe weiterzugeben. Diese Wissensvermittlung fand an beiden Schulen jeweils in Form eines Aktionstages statt. Vom Projektteam wurden zahlreiche Materialien erstellt und verschiedene Methoden zur Wissensvermittlung und Motivation aufgezeigt.

Die Schülerinnen gestalteten verschiedene Stationen zu Themen rund ums Trinken:

  • Wasserhaushalt im Körper
  • Erkennen von Zucker in Getränken
  • Vor- und Nachteile von Getränken in Bezug auf die Gesundheit, Umwelt, Geschmack und Geld
  • Verkostung verschiedener Süßstufen (Geschmacksschulung)

Weiters erstellten die Peers Kurzvideos, die Jugendliche zum bewussten Trinken animieren und darüber informieren sollen. Diese sind auf der SIPCAN-Homepage abrufbar: www.sipcan.at/videos-bewusst-trinken

Im Rahmen des Projekts zeigte sich, dass sich ein Peer-Ansatz zur Wissensvermittlung in dieser Altersstufe einer großen Beliebtheit erfreut.

Verkostung verschiedener Zuckerkonzentrationen in Apfelsäften

Verkostung verschiedener Zuckerkonzentrationen in Apfelsäften

Weitere Maßnahmen im Projekt waren Schulungen der Lehrerinnen-Teams, die Einbeziehung der Eltern, gemeinsame Adaptierungen der Getränkeautomaten mit deren Betreiberinnen in Schulen, Erarbeitung von Plakaten, Elterninformationen oder Pressemeldungen.

Um die Maßnahmen zu evaluieren wurde vor dem Start eine Erhebung von Ernährungs- und Sensorikdaten der teilnehmenden Kinder durchgeführt. Hier wurden sensorische Testungen kinderfreundlich gestaltet und die Süßpräferenz im Apfelsaft und die Wahrnehmung für den süßen Geschmack ermittelt. Zusätzlich gaben die Schülerinnen an, was sie gerne trinken und wieviel davon. Durch die aktuelle Situation, dass die Kinder zu Hause unterrichtet wurden und einen nicht-typischen Alltag lebten, sind die Effekte durch die im Projekt umgesetzten Maßnahmen womöglich verzerrt. Dennoch erhoffen wir uns Hinweise auf eine Veränderung der Vorlieben für süße Getränke.

Für eine langfristige Weiterführung der Aktivitäten nach Projektende wird vom wissenschaftlichen Projektteam ein Handbuch mit Anleitungen zur einfachen Umsetzung von Aktivitäten rund ums bewusste Trinken für Schulen erstellt. Dieses soll umfassend disseminiert werden, um so breitflächig das „richtige“ Trinken von Schülerinnen zu fördern. Das Konzept soll in weiterer Folge Schulen bundesweit zugänglich gemacht werden.

sensorische Testung in der Schule

sensorische Testung in der Schule

sensorische Testung in der Schule

Das Projektteam der FH JOANNEUM: Anna Lena Aufschnaiter, BSc MSc, Daniela Grach, MSc, Dr. Marlies Hörmann-Wallner, Christina Lampl, BSc MSc

Kontakt: Dr. Barbara Holstein Ernährungswissenschafterin und Projektkoordinatorin b.holstein@sipcan.at

www.sipcan.at

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern in diesem Beitrag die weibliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter.