Runder Tisch Ernährung – „Regionales Fast Food – wie kann gesundes Fertigessen aussehen?“ Bericht & Nachschau

18. Oktober 2021

Der schnelle Snack für zwischendurch ist aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Doch Fast Food gilt als ungesund und süchtig machend. Einige dieser Speisen enthalten eine Kombination aus Fett, Kohlenhydraten und Salz die für unseren Körper nachteilig sein können. Doch gibt es gesunde regionale Alternativen?

Mit dieser Frage beschäftigt sich die Diskussion „Regionales Fast Food – wie kann gesundes Fertigessen aussehen“.

Es diskutieren: 

  • Harald Sükar, ehemaliger Geschäftsführer McDonald’s Österreich, heute Unternehmensberater und Buchautor
  • Manuel Wallensteiner, Gründer und CEO von Vebap – der vegane Kebap
  • Jane Bergthaler, MSc, Diätologin, Spezialgebiet Sporternährung, Ernährung bei Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen

Runder Tisch Ernährung

Die Diskussion findet im Rahmen der Diskussionsreihe „Runder Tisch Ernährung“ statt und wurde in Kooperation mit der Grazer Woche und Minimed durchgeführt.

Nun können Sie die Aufzeichnung der Diskussion auf dem STERZ-YouTube-Kanal nachschauen.

Zusammenfassung

Von der Live-Präsentation eines Burgers über die Gesundheit von Fast Food bis zu Emotionalität beim Genuss von Haferflocken und schnellen, gesunden Rezepten fürs Abendessen wurde diesmal viel geboten. 

Die Eröffnung des Gesprächs machte Harald Sükar, der selbst sehr gerne Fast Food isst und sich beispielsweise selbst gerne gesunde Burger zubereitet. Diese sehen dann aber anders aus, als der vor laufender Kamera präsentierte. Er genießt als Fast Food auch, dass viele Supermärkte neuerdings Salatbuffets anbieten, die er auch manchmal im Auto isst. Fleisch ist er seltener als früher, bis zu zweimal im Monat. Die Burger, die er verzehrt, bestehen entweder aus Erbsenprotein oder aus einer Mischung aus Biorindfleisch aus der Region und Pilzen. Damit hat er, nach einer Periode der körperlichen und mentalen Kraftlosigkeit durch Konsum von Leberkäsesemmel bis herkömmlichem Burger, rasch seine Kräfte wiedergefunden und abgenommen, ohne auf viel verzichten zu müssen. 

Manuel Wallensteiner hingegen greift selten zu Burgern. Als Kind kam er damit kaum in Kontakt und seine Fast Food Lieblinge sind Falafel und Kebap, das Letztere stellt er selbst aus Weizenprotein her. Seitan, das Weizenprotein, das als Nebenprodukt bei der Weizenverarbeitung übrigbleibt und in der Konsistenz ähnlich Kebapfleisch ist, wird dabei mit Zutaten wie Kurkuma und mehr verfeinert. Für ihn war sehr überraschend, wie billig das Fleisch von Kebapspießen ist gegenüber einem Produkt, das aus pflanzlichen Produkten hergestellt wird und viel teurer ist. Die Idee hinter dem veganen Kebap entwickelte sich aus dem Wunsch, eine CO2 schonendere Speise zu entwickeln. Für ihn war überraschend, wie breit die Akzeptanz für dieses Produkt ist. Fleischessende wie Veganer schätzen das Produkt, das er auch kaum bewirbt. Er macht vor allem die Art der Zubereitung für den geschmacklichen Erfolg des Produktes verantwortlich. 

Für Jane Bergthaler ist dieses Verhalten nicht ganz so überraschend, auch, wenn sich alle Gesprächsteilnehmenden einig sind, dass gesunde Ernährung vor einiger Zeit noch eine wesentlich geringere Rolle gespielt hat. Sie hat Erfahrung im Coaching von jungen Sportlerinnen und Sportlern und berichtet, dass viel mehr Akzeptanz für gesunde und inhaltsreiche Lebensmittel vorhanden ist, wenn den jungen Menschen klar wird, wie stark ihre Leistung und vor allem mentale Stabilität von Ernährung abhängen kann. Für sie endet Fast Food aber bei weitem nicht bei Kebap, Wurstsemmel oder Burger. Sie streicht die Vorteile von anderen, rasch zubereiteten Speisen wie Haferflocken, verfeinert mit Nüssen und frischen oder Trockenfrüchten, hervor. Das gilt auch für Müsliriegel, von denen sie meint, dass je einfacher und verständlicher die Zutatenliste – und mit beispielsweise Haferflocken verfeinert – sie meistens umso gesünder wären. Allerdings sind solche Fast Food Varianten vielleicht weniger attraktiv als das Lebensgefühl, das bei manchen Fast-Food-Ketten vermittelt wird. 

Harald Sükar spricht darüber, dass bei seinem früheren Arbeitgeber McDonalds das Lebensgefühl an erster Stelle verkauft wird und beispielsweise mit dem Kaffeehauskonzept eine andere Kundengruppe dort isst als früher. Das Essen wird dort nur nebenbei verkauft und trägt zum Gewinn des Unternehmens bei. Nebenbei erwähnt er, dass für eine gleichmäßige Bräunung Zuspeisen wie Pommes Frites durch eine Zuckerlauge vor dem frittieren gezogen werden. In Ländern, die ein Problem mit Übergewicht haben wie beispielsweise Mexiko, haben höhere Steuern auf Zuckerhaltige Getränke gewirkt. Für ihn ist es eine positive Entwicklung, wenn mehr Emotion und persönliche Aufmerksamkeit in die tägliche Ernährung gesteckt wird. Er hat sich antrainiert viel zu kauen, indem er sich eine Sanduhr mit 30 Sekunden gekauft und jeden bissen aufmerksam gekauft hat. Das war für ihn ein Schlüsselerlebnis. 

Auch für Manuel Wallensteiner ist die Aufmerksamkeit und die Wahrnehmung der Wichtigkeit von Ernährung gerade für junge Menschen besonders wichtig. Für ihn ist das Schaffen von Bewusstsein besonders in der Schule ganz besonders wichtig. Zuviel Zucker kann sehr ungesund für Kinder sein.  Vor allem Zuckerhaltiges ist für ihn besonders kritisch in der Schule, da sie Kinder sehr aufputschen kann. Er persönlich isst lieber nur einmal täglich und kocht dann dafür als Entspannung vom Tag. Am liebsten beispielsweise frischen Gemüse aus dem eigenen Garten. 

Das ist ein Stickwort für Jane Bergthaler, die der Meinung ist, dass weniger weit transportiertes Obst und Gemüse lokal und daher länger reifen kann. Durch die Reifung ist es geschmackvoller und auch gesünder, ganz abgesehen davon, dass man lokale produzierende unterstützt. Auch sie kocht für sich, ist aber dabei ungeduldiger als Manuel Wallenstein. Sie erzählt uns über schnelle Rezepte mit beispielsweise Hirse oder Naturreis, den man am besten vorgekocht hat. Dazu gibt sie Gemüse nach Saison, fügt Hülsenfrüchte wie Kichererbsen hinzu und ein Spiegelei rundet die Speise ab. Damit kann man in 10 Minuten ein schmackhaftes und sehr gesundes Abendessen zubereiten.