Runder Tisch Ernährung – „Vom Essen der Zukunft“ – Bericht & Nachschau

18. Oktober 2021

Unser Essen geht uns alle an! –  Dieser oft verwendete Satz ist Grundlage dieser Folge des Runden Tisch Ernährung. Unsere Ernährungsgewohnheiten unterliegen einem rasanten Wandel. Die permanente Verfügbarkeit von Lebensmitteln im Supermarkt verändert unsere traditionellen Ernährungsgewohnheiten. Kühlschränke und Teller sollen niemals leer sein. Die heutige Nahrungsmittelproduktion hat maßgebliche Auswirkungen auf den Planeten. Welche alternativen Formen der Ernährung gibt es und wie belastet die moderne Ernährung Menschen und Erde? Welche Lebensmittelsysteme braucht es in Zukunft, um uns mit nachhaltigen und gesunden Lebensmitteln zu ernähren?  

Es diskutieren:

  • Mag. Dr. Fritz Treiber, Leiter des Uni Graz-Geschmackslabors und Koordinator für den Studiengang Ernährung, Gesundheit und Konsum
  • Dipl.-Ing. Robert Schöttel, Landwirtschaftskammer Steiermark
  • Michaela Friedl, Diätologin und Betreiberin der Pilzzucht ‚Gut Behütet‘
  • Mag. Sandra Höbel, Geschäftsführerin Landentwicklung Steiermark

Kernpunkte der Diskussion sind: Lebensmittelsysteme heute und wo sollen wir in Zukunft hin, Beispiele für innovative Lebensmittelsysteme und Produkte (z.B.: Zuchtpilze aus einem altem Stall), Wo sind die Grenzen unserer heutigen Ernährungsweise? Wie schaut das Lebensmittel der Zukunft aus: hochtechnologisch oder direkt vom Bauernhof?

Sie können die Aufzeichnung der Diskussion auf dem STERZ-YouTube-Kanal nachschauen.

Zusammenfassung

Fritz Treiber merkte an, dass sich Anbaugebiete nun  verschieben, nicht nur am Land würden Lebensmittel angebaut. Auch der Anbau in der Stadt – beispielsweise in Containern, wie in New York – wurde schon getestet, das kann Wasser und Pestizide sparen und Transportwege verkürzen. Auch andere Schmankerln aus dem Reagenzglas werden durch Weierentwicklungen vorangetrieben. Abfallvermeidung könnte durch das nutzen abgelaufener Produkte vorangetrieben werden, beispielsweise könnte man Müsliriegel aus Obstresten herstellen. Um Ernährung weniger abhängig von Tieren bzw. Tierleid zu machen, gibt es bereits Burgerlaibchen mit Fleisch, das aus Stammzellen gezüchtet wurde und eine alternative Proteinquelle bieten kann. Andere, bei uns weniger bekannte Proteinquellen können in Zukunft auch Insekten bieten, die laut Fritz Treiber einen etwas nussigen Geschmack haben. Da Insekten als Lebensmittel bis auf Maikäfersuppen in Österreich nur wenig Tradition hat, könnten Insekten als Futtermittel dienen oder verarbeitet – allerdings nicht zu hoch verarbeitet, da das ungesund ist – genutzt werden.

Andere alternative Proteine können durch Pilze auf unseren Tellern landen. Michaela Friedl kam vom Schwein zum Schwamm. Für die Pilzzüchterin ist Nachhaltigkeit ein ganz persönlich wichtiges Thema, das auch in ihrer Familie gelebt wird. Die Strohpellets, auf denen die von ihr gezüchteten Pilze wachsen, stammen aus dem Osten von Graz oder auch dem Burgenland und Plastik wird, wo möglich, vermieden.  Sie ortet einen gerade stattfindenenden großen Werte- und Generationswandel in der Landwirtschaft. Viele sehr gut ausgebildete junge Menschen würden vermehrt den Weg zurück in die Landwirtschaft finden und mit innovativen Ideen neue Produkte schaffen. Dabei ist der Hof der Ausgangs. und nicht der Endpunkt neuer Ideen. Der Wandel, der auch gegenüber älteren Generationen stattfindet, wird durch besonders gute Vernutzung junger Menschen möglich.

Robert Schöttel schlägt in diese Kerbe und erklärt, das Nachhaltigkeit immer in mehreren Dimensionsn stattfinden muss. Ein Betrieb muss nachhaltig existieren können, also genug Geld für den Weiterbestand erwirtschaften können, auch ökologisch nachhaltig zu denken ist wichtig. Dazu gehört, Schadstoffe zu minimieren, da nachfolgende Generationen den Boden nutzen können sollen. Das Miteinander und soziale Komponenten des Übergebens eines Hofes ist für ihn ebenfalls ein wichtiger, nachhaltiger Aspekt. Viele Initativen unterstützen neue und innovative Ansätze, die Betriebe und innovation nachhaltig erhalten sollen. Er erzählt von der Innovationsberatung der Plattform mein Hof, mein Weg, die junge Landwirte begleitet. In der Steiermark gibt es ein eher diverses Feld an angebauten Lebensmitteln was nicht überall der Fall ist. Das ist nicht mit anderen Agrarnationen zu vergleichen, auch die Fläche insgesamt ist geringer als in anderen Ländern. Die Konurrenzfähigkeit kann dadurch in Frage gestellt werden.

Sandra Höbel spricht über aktuelle Projekte, in denen gegenwärtige Herausforderungen der Gemeinden aufgegriffen und Lösungen erarbeitet werden. Dadurch soll die Resilienz der jeweiligen Region durch mehr Selbstversorgung gestärkt werden. Ein bereits bestehendes Projekt ist das Zeithilfsnetzwerk, bei dem Personen gegenseitig Zeit tauschen können. Beispielsweise kann für den älteren Nachbarn, der vielleicht nicht mehr so mobil wie früher ist, einkaufen gegangen werden. Im Gegenzug wird vielleicht auf die Kinder achtgegeben oder etwas mit den eingekauften Lebensmitteln mitgekocht. Diese Art der Nachbarschaftshilfe hat nicht nur eine soziale Komponente, sie hilft auch, Lebensmittel als mittel zum Leben in den Fokus zu rücken. Wertschätzung und Wertschöpfung werden verknüpft – Lebensmittel werden als Mittel des Lebens wahrgenommen, sie rücken dadurch vielleicht wieder in den Mittelpunkt statt anderem wie beispielsweise die nächste, große Urlaubsreise. Das kann Nachhaltigkeit unterstützen.

Runder Tisch Ernährung

Die Diskussion fand im Rahmen der Diskussionsreihe „Runder Tisch Ernährung“ statt.
Am „Runden Tisch Ernährung“ nehmen Expertinnen und Experten aus verschiedenen ernährungsrelevanten Themengebieten Platz und diskutieren aktuelle Fragestellungen. Die Diskussionen werden online ausgestrahlt, um die interessierte Zielgruppe ortsunabhängig zu erreichen.

Der Runde Tisch wurde in Kooperation mit der Grazer Woche und Minimed durchgeführt.