Wissens-Salon Nachschau: Gesunde Ernährung älterer Erwachsener

24. November 2020

Bei dieser digitalen Diskussionsveranstaltung haben sich Expertinnen über die Besonderheiten der optimalen Ernährung älterer Erwachsener sowie verschiedene Sichtweisen und Meinungen rund um die Fragen ausgetauscht:

  • Welche besonderen Bedürfnisse haben ältere Erwachsene in Bezug auf Ernährung und wie können sie möglichst lange gesund bleiben?
  • Wie können Pflegekräfte oder pflegende Angehörige die Bedürfnisse erkennen und decken? Worauf sollten sie achten?
  • Und wo bleibt der Genuss?

Die eingeladenen Expertinnen zu diesem Thema:

  • Assoz. Prof.in Mag.Dr.in Sandra Holasek – Expertin für Ernährung, insbesondere für die Vorbeugung von Krankheiten und gesundes Altern
  • Sen. Scient. Dr. Sandra Schüssler, MSc, BSc – Expertin im Bereich Pflegewissenschaften, unter anderem dem Wissen über Mangelernährung
  • Prof.in Mag.a Dr.in Brigitte Pleyer – Ernährungswissenschaft, Aufbau Wahlfach Ernährungsgeragogik, Forschungsprojekt Entwicklung Grazer-Check-Essbiografie und Grazer-Rezept-Checks

Datum: 6. November 2020 um 15:00h
Die Moderation wurde von Werner Ranacher übernommen. Lesen Sie eine Zusammenfassung aus Sicht der Diskutierenden hier!

Nachschau der Diskussion

Begrüßung des Publikums und der Diskutierenden

Virtuelle Bäckereien und die Rolle der Kindheit in der Ernährung

Gewohnheiten beim Essen und die Polentachemie in der Pflege

Ausgewogenheit ist wichtig, vieles ist möglich. Gemüse stärkt das Immunsystem

Gesundes Essen zu den Menschen bringen und Ernährungsunterricht in der Schule

Wie gesund ist Gemüse aus dem Supermarkt? Geschirr- und Portionsgröße

Der Mensch im Mittelpunkt

Beschreibung der Inhalte

Der Inhaltsbogen der Diskussion zu diesem für uns alle wichtigen Thema umspannte sowohl Aspekte des Ist-Zustandes im Ernährungsstatus älterer Erwachsener, als auch die Möglichkeiten, jene Menschen, die Anzeichen von Mangelernährung und daraus resultierende Krankheitssymptome zeigen, in ihrer Ernährungsoptimierung zu unterstützen. Fakt ist: Viele allein lebende ältere Menschen – aber auch solche in Alters- und Pflegeheimen – weisen aufgrund von einseitiger und nährstoffarmer Ernährung Mangelerscheinungen auf, die in weiterer Folge den Gesundheitszustand und das Wohlbefinden stark beeinträchtigen können.

Die Ernährungswissenschaftlerin Prof. Sandra Holasek unterstreicht, dass es vor allem im höheren Alter sinnvoll ist, sich bewusst gesund zu ernähren. Unsere Ernährungsweise trägt einen großen Teil zu unserem Gesundheitszustand bei und kann chronischen Erkrankungen vorbeugen. Die Ernährungswissenschaft spricht von Beispielen aus der Altersforschung, in der erhoben wird, wie die Biographie und Lebensgeschichte von heute hochbetagten Menschen (Hundertjährige) ausgesehen hat. Die Ernährungswissenschaftlerin plädiert dafür, die Nahrungsvielfalt – vor allem die regionale – zu nutzen, denn je breiter und vielfältiger die Nahrungsaufnahme ist, umso eher stärkt sie das Immunsystem.

„Wichtig ist, dass die Menschen wissen, wo sie gesunde Lebensmittel bekommen und wie sie gesundheitsfördernd zubereitet werden können.“

Die Beschäftigung damit sowie mit gegebenenfalls pflanzenbasierten Gesundheitsprodukten könne helfen, sich wieder mehr mit der natürlichen Ernährung und der Frage ‚Was wirkt wie?‘ zu beschäftigen. Nicht nur „in“, sondern auch empfehlenswert ist laut Prof. Holasek die sogenannte „Planetary Health Diet“: „Die zurzeit weltweit empfohlene „Planetary Health Diet“ mit einem hohen Anteil an regionalem und saisonalem Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen hält nicht nur uns biologisch jung, sondern tut auch unserem Planeten gut.“ Sie spricht auch über Polyphenole, Farbstoffe in Obst und Gemüse, die gesund für den Körper sein können. Beispielsweise kann ein Glas Johannisbeersaft zur Mahlzeit gesund sein.

Dr. Sandra Schüssler, die sich mit dem Einsatz von Technologie mit Verknüpfung zur Ernährung älterer Erwachsener beschäftigt, spricht auch über die große Herausforderung aufgrund der Corona-Situation die Versorgung älterer Menschen, die nicht betreut werden, sicher zu stellen. Sie stellt die Frage in den Raum, ob Lieferservices von jenen, die sonst fast täglich ins Gasthaus gehen, entsprechend genutzt werden können. Zudem fördert alleine zu essen Mangelernährung. Dem entgegenzuwirken gestaltet sich oft schwierig. Neben der Betreuung durch Pflegekräfte werden versuchsweise zur Unterstützung auch Roboter als Begleitung beim Essen eingesetzt, um das Gefühl von Einsamkeit zu mindern oder etwaige kommunikative Äußerungen – wie etwa die Erinnerung ans Essen – auszuführen. Dr. Sandra Schüssler spricht auch einen Aspekt der Ganzheitlichkeit des Essens an:

„In der Betreuung älterer Menschen wird zusätzlich versucht, das Essen optisch appetitlicher zuzubereiten und generell ein Wohlfühlambiente zu schaffen. Dies fördert ebenfalls gesundes Essverhalten ganz wesentlich.“ Dieses Wohlfühlambiente kann durch Technologien wie eine virtuelle Realität oder Roboter, die beim Essen Gesellschaft leisten, gefördert werden. Sie erzählt beispielsweise von einer virtuellen Bäckerei, in der es nach Backware duftet und erzählt von Begegnungen älterer Erwachsener mit Robotern, die am liebsten mitessen und ihre eigenen Geschmackspräferenzen kundtun sollten.

Prof. Brigitte Pleyer verweist darauf, wie sinnvoll die Dokumentation der bisherigen Ernährungsgewohnheiten älterer Erwachsener (aber auch aller anderen Altersgruppen) ist. Oft komme es zu Situationen, in denen in neuen Umgebungen oder durch sich ändernde Umstände eine andere Ernährungssituation vorgefunden wird als zuhause. Pflegekräfte in der 24-Stunden-Betreuung kochen teilweise anderes, als es die pflegebedürftige Person bisher gewohnt war. Hier gelte es, die individuellen gesundheitlichen Ernährungsbedürfnisse und auch den persönlichen Geschmack zu berücksichtigen. Bei Demenzkranken kann man durch das zusätzliches Süßen von auch salzigen Gerichten erreichen, dass diese Speise lieber gegessen wird. Das habe die Ursache darin, dass der Geschmackssinn bei Demenz zum Teil in Mitleidenschaft gezogen ist und Zucker als Geschmacksträger leichter wahrgenommen wird.

Auf die Teilnehmerfrage, ob bestimmte Ernährungsbestandteile für ein starkes Immunsystem bei älteren Erwachsenen besonders benötigt werden, fasst die Ernährungsgeragogin zusammen: „Die Ernährung sollte vor allem viel Gemüse enthalten. Gemüse ist eigentlich noch wichtiger als Obst. Zudem ist darauf zu achten, dass der Vitamin-D-Spiegel stimmt und andere Nährstoffe, wie beispielsweise Zink, in ausreichenden Mengen aufgenommen werden. Generell sollte die Ernährungsweise nicht monoton sein, um Dysbalancen und Nährstoffmängel zu vermeiden.“

Moderator Werner Ranacher erzählte abschließend von seinem Projekt einer Rezepte-Sammlung typisch österreichischer Speisen. Diese soll für 24-Stunden-Pflegekräfte in deren jeweilige Muttersprache, etwa Slowakisch, Ungarisch oder Polnisch, übersetzt werden – ein weiterer hilfreicher Baustein für die gesunde und individuell abgestimmte Ernährungsversorgung älterer, pflegebedürftiger Menschen.

Basierend auf einem Text von Christian Pendl